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· 9 Min. Lesezeit·Emre Yurtbay

SQL Server 2025 gegenüber SQL Server 2022 – die wichtigsten Unterschiede

Was SQL Server 2025 (17.x) gegenüber dem Vorgänger 2022 (16.x) bringt: nativer Vektortyp und KI in T-SQL, nativer JSON-Typ, RegEx, Optimized Locking sowie Änderungen bei Editionen, Lizenzierung und eingestellten Komponenten.

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Mit SQL Server 2025 (Engine-Version 17.x) hat Microsoft am 18. November 2025 im Rahmen der Ignite die nächste Hauptversion freigegeben. Der Vorgänger SQL Server 2022 trägt die Version 16.x. Beide Releases verfolgen erkennbar unterschiedliche Leitlinien: 2022 war das "Azure-verbundene" Release, das die Brücke in die Cloud schlug. 2025 positioniert Microsoft als "AI-ready"-Release – die Datenbank-Engine selbst wird zum Baustein für KI-Anwendungen, von der lokalen Installation bis in die Cloud.

Wer eine Migration plant, sollte den Support-Horizont kennen: Laut Fixed Lifecycle Policy endet der Mainstream-Support am 6. Januar 2031, der erweiterte Support am 6. Januar 2036. Das Release reift bereits sichtbar – zum Redaktionszeitpunkt liegen mehrere kumulative Updates (CU1 bis CU4) vor.

Dieser Artikel ordnet ein, was wirklich neu ist, was sich bei Editionen und Lizenzierung ändert und wo die Stolpersteine eines Wechsels liegen.


Was wirklich neu ist gegenüber 2022

KI und Vektoren – das zentrale neue Thema

Der größte konzeptionelle Sprung gegenüber 2022 ist die native Unterstützung von Vektordaten direkt in der Engine. SQL Server 2025 führt den Datentyp VECTOR ein. Vektoren werden intern in einem optimierten Binärformat abgelegt, nach außen aber als JSON-Array ausgegeben. Der Basistyp ist standardmäßig einfache Genauigkeit (single-precision, 4 Byte je Element); halbe Genauigkeit (half-precision, float16, 2 Byte) lässt sich über VECTOR(…, float16) optional angeben, ist zum GA-Zeitpunkt aber Preview und setzt die Datenbank-Konfiguration PREVIEW_FEATURES voraus.

Auf diesem Typ setzen neue skalare Funktionen auf: VECTOR_DISTANCE berechnet den Abstand zweier Vektoren nach einer wählbaren Metrik ('cosine', 'euclidean', 'dot'), dazu kommen VECTOR_NORM, VECTOR_NORMALIZE und VECTORPROPERTY.

-- Exakte Ähnlichkeitssuche (kNN) über die Kosinus-Distanz
DECLARE @query VECTOR(1536) = AI_GENERATE_EMBEDDINGS(N'Wie kündige ich meinen Vertrag?' USE MODEL MyEmbeddingModel);

SELECT TOP (5)
       d.id,
       d.titel,
       VECTOR_DISTANCE('cosine', d.embedding, @query) AS distanz
FROM   dbo.dokumente AS d
ORDER  BY distanz ASC;

Microsoft unterscheidet zwei Suchverfahren: Die exakte Suche (kNN) über VECTOR_DISTANCE wird für Bestände unter rund 50.000 Vektoren empfohlen. Für größere Mengen gibt es eine approximative Suche (ANN) auf Basis des graphbasierten DiskANN-Algorithmus, angelegt per CREATE VECTOR INDEX und abgefragt über VECTOR_SEARCH. Wichtig: Der Vektor-Index und VECTOR_SEARCH sind zum GA-Zeitpunkt Preview und setzen die Datenbank-Konfiguration PREVIEW_FEATURES voraus.

Embeddings lassen sich direkt in T-SQL erzeugen: AI_GENERATE_EMBEDDINGS erstellt Vektor-Arrays über ein zuvor hinterlegtes Modell, AI_GENERATE_CHUNKS zerlegt Texte in Fragmente (Chunking). Die Anbindung an Inferenz-Endpunkte erfolgt über externe Modellobjekte: CREATE EXTERNAL MODEL (sowie ALTER/DROP EXTERNAL MODEL) speichert Endpunkt, Authentifizierung und Zweck eines Modells, etwa eines Azure-OpenAI-Endpunkts. Laut Editions-Seite gibt es zusätzlich Unterstützung für lokale ONNX-Modelle (Preview). In SQL Server Management Studio (SSMS) ist außerdem GitHub Copilot integriert.

T-SQL und Entwickler-Funktionen

Auch abseits von KI hat sich die Sprache spürbar weiterentwickelt:

  • Nativer JSON-Datentyp. SQL Server 2025 bringt einen eigenen, binär gespeicherten JSON-Typ samt JSON-Indizierung und den Aggregaten JSON_OBJECTAGG und JSON_ARRAYAGG. Das ist ein echter Unterschied zu 2022, das JSON nur als nvarchar mit zugehörigen Funktionen kannte, aber keinen eigenen Typ besaß.
  • Reguläre Ausdrücke in T-SQL. Neu sind REGEXP_LIKE, REGEXP_REPLACE, REGEXP_SUBSTR, REGEXP_INSTR, REGEXP_COUNT, REGEXP_MATCHES und REGEXP_SPLIT_TO_TABLE.
-- E-Mail-Adressen validieren, ohne CLR oder LIKE-Akrobatik
SELECT kunde_id, email
FROM   dbo.kunden
WHERE  NOT REGEXP_LIKE(email, '^[^@\s]+@[^@\s]+\.[^@\s]+$');
  • REST aus der Datenbank. Mit sp_invoke_external_rest_endpoint lassen sich REST- und GraphQL-Endpunkte aufrufen. Ergänzend gibt es den Data API builder (DAB) für automatisch generierte REST/GraphQL-Endpunkte sowie einen SQL MCP Server.
  • Change Event Streaming (Preview). DML-Änderungen (Insert, Update, Delete) werden nahezu in Echtzeit als CloudEvent (JSON oder Avro) an Azure Event Hubs gesendet. Auch das benötigt PREVIEW_FEATURES.
  • Fuzzy String Matching (Preview). Neu sind EDIT_DISTANCE, EDIT_DISTANCE_SIMILARITY, JARO_WINKLER_DISTANCE und JARO_WINKLER_SIMILARITY – ebenfalls hinter PREVIEW_FEATURES.
  • Weitere Sprachneuerungen. Bei SUBSTRING ist der Längenparameter jetzt optional (ANSI-konform), DATEADD akzeptiert bigint, dazu kommen UNISTR, das Aggregat PRODUCT, CURRENT_DATE, BASE64_ENCODE/BASE64_DECODE und die String-Verkettung mit ||.
-- REST-Endpunkt direkt aus T-SQL aufrufen
DECLARE @antwort NVARCHAR(MAX);
EXEC sp_invoke_external_rest_endpoint
     @url     = N'https://api.example.com/v1/status',
     @method  = N'GET',
     @response = @antwort OUTPUT;
SELECT @antwort;

Engine und Performance

  • Optimized Locking reduziert Blockaden und den Speicherbedarf für Sperren und vermeidet Lock-Eskalation. Neu ist, dass dies auf dem On-Premises-SQL-Server zur Verfügung steht – in Enterprise und Standard, nicht jedoch in Express.
  • Tempdb Space Resource Governance verhindert, dass einzelne entlaufene Workloads die tempdb volllaufen lassen (Enterprise und Standard).
  • Accelerated Database Recovery (ADR) greift nun auch in der tempdb.
  • ZSTD kommt als neuer, schnellerer Backup-Kompressionsalgorithmus hinzu.
  • Optimiertes sp_executesql dämpft sogenannte Compilation Storms, indem sp_executesql-Aufrufe sich kompilierungsseitig wie Objekte (etwa Stored Procedures) verhalten.
  • Dazu kommen persistierte Statistiken für lesbare Sekundärreplikate, Columnstore-Verbesserungen (geordnete nichtgeclusterte Columnstore-Indizes, Online-Build) und zeitlich begrenzte Extended-Events-Sessions.

Im Bereich Intelligent Query Processing (IQP) baut die Optional Parameter Plan Optimization (OPPO) auf der Multiplan-Infrastruktur der Parameter Sensitive Plan Optimization (PSPO) auf, die mit 2022 eingeführt wurde, und erzeugt mehrere Pläne je Statement. Hinzu kommen Cardinality Estimation Feedback für Ausdrücke, standardmäßig aktiviertes DOP-Feedback, Query Store für lesbare Sekundärreplikate (standardmäßig an) sowie der neue Hint ABORT_QUERY_EXECUTION.

Verfügbarkeit und Sicherheit

Bei der Hochverfügbarkeit sind nun Voll- und differenzielle Backups auf jedem Sekundärreplikat möglich – zuvor waren dort nur Copy-only-Backups erlaubt. Backups lassen sich auf immutable Blob Storage schreiben (Backup-to-URL), und TLS 1.3 mit TDS 8.0 ist breit ausgerollt (Verfügbarkeitsgruppen, Failover-Cluster-Instanzen, Replikation, Log Shipping, Tools). Eine Distributed AG ist jetzt auch zwischen zwei Contained AGs möglich.

Bei der Sicherheit werden Passwort-Hashes standardmäßig mit PBKDF2 erzeugt (in Anlehnung an NIST SP 800-63b), für RSA gibt es OAEP-Padding, und die Security-Cache-Invalidierung erfolgt gezielter pro Login. Managed Identity mit Microsoft-Entra-Authentifizierung ist möglich, setzt aber "SQL Server enabled by Azure Arc" voraus.

Microsoft Fabric

Statt Synapse Link tritt das Mirroring in Fabric an: eine kontinuierliche, nahezu in Echtzeit laufende Replikation einer SQL-Server-2025-Datenbank (On-Prem oder VM) nach OneLake. Das Ergebnis ist eine schreibgeschützte Kopie für Analytik ohne klassische ETL-Strecke. Wichtig für Bestandsumgebungen: Synapse Link ist in 2025 eingestellt; Microsoft nennt das Fabric-Mirroring ausdrücklich als Ersatz.


Editionen und Lizenzierung – was sich ändert

Die Edition- und Lizenzänderungen sind für die Wechselentscheidung mindestens so relevant wie die neuen Funktionen:

Bereich SQL Server 2022 SQL Server 2025
Standard – max. Compute 4 Sockets / 24 Cores geringerer Wert aus 4 Sockets oder 32 Cores
Standard – Buffer Pool je Instanz bisheriger Wert 256 GB
Resource Governor nur Enterprise auch Standard (gleiche Funktion)
Express – max. relationale DB-Größe 10 GB 50 GB
Express with Advanced Services separate Variante eingestellt (Funktionen in Express enthalten)
Web Edition vorhanden eingestellt
Kostenlose Dev/Test-Lizenzen Developer Standard Developer und Enterprise Developer

Bemerkenswert ist, dass die KI-Funktionen breit verfügbar sind: Nativer Vektortyp, Embedding-Erzeugung, externe Modelle, DiskANN-Index und Chunking stehen laut Editions-Seite in allen Editionen zur Verfügung – einschließlich Express und Standard, wobei DiskANN-Index, lokale ONNX-Modelle, Change Event Streaming und Fuzzy String Matching PREVIEW_FEATURES erfordern. Auch der native JSON-Typ samt Indizierung, reguläre Ausdrücke und der Aufruf externer REST-Endpunkte sind in allen Editionen verfügbar. Optimized Locking und Tempdb Space Resource Governance bleiben Enterprise und Standard vorbehalten.

Eingestellt (discontinued) sind in 2025 unter anderem: Data Quality Services (DQS), Master Data Services (MDS), Synapse Link, Purview-Zugriffsrichtlinien, die Web Edition und "Express with Advanced Services". Als veraltet (deprecated) und zur künftigen Entfernung vorgesehen gelten Hot Add CPU sowie Lightweight Pooling bzw. der Fiber Mode; Database Mirroring bleibt wie zuvor deprecated. On-Premises Reporting Services werden ab 2025 unter Power BI Report Server konsolidiert.


Vorteile eines Wechsels auf 2025

  • KI ohne separaten Vektorspeicher. Embeddings, Vektorsuche und die Anbindung externer Modelle laufen innerhalb der Datenbank-Engine. Vektoren liegen transaktional konsistent neben den Geschäftsdaten, ein zusätzlicher spezialisierter Vektor-Store entfällt für viele Szenarien.
  • Moderneres T-SQL. Nativer JSON-Typ, reguläre Ausdrücke und der direkte REST-Aufruf reduzieren Workarounds, die bisher CLR, externe Dienste oder umständliche Zeichenkettenlogik erforderten.
  • Mehr Leistung und Stabilität out of the box. Optimized Locking, optimiertes sp_executesql, ZSTD-Kompression und die IQP-Erweiterungen wirken auf bestehende Workloads, oft ohne Codeänderung.
  • Mehr Funktion in günstigeren Editionen. Standard erhält mehr Cores und Speicher sowie Resource Governor; Express verfünffacht die maximale Datenbankgröße auf 50 GB. Die kostenlosen Developer-Editionen erleichtern saubere Test- und Staging-Umgebungen.
  • Robustere Verfügbarkeit und Sicherheit. Voll- und differenzielle Backups auf Sekundärreplikaten, immutable Backups, durchgängiges TLS 1.3 und PBKDF2-Passwort-Hashes erhöhen das Schutzniveau.

Nachteile und Stolpersteine

  • Viele Vorzeigefunktionen sind Preview. Vektor-Index und VECTOR_SEARCH, Change Event Streaming, Fuzzy String Matching sowie lokale ONNX-Modelle setzen die Datenbank-Konfiguration PREVIEW_FEATURES voraus. Für produktiven Einsatz mit Support-Zusage ist das genau zu prüfen.
  • Eingestellte Komponenten erzwingen Umbauten. DQS, MDS, Synapse Link, Purview-Zugriffsrichtlinien und die Web Edition entfallen. Wer darauf aufbaut, braucht vor dem Upgrade einen Ersatzplan – beim Analytics-Pfad etwa Fabric-Mirroring statt Synapse Link.
  • Breaking Changes. SQL Server 2025 bringt Breaking Changes unter anderem bei Linked Servers, Replikation, Log Shipping und PolyBase. Diese Bereiche gehören vor einem Upgrade gründlich getestet.
  • Azure-Arc-Abhängigkeit. Managed Identity mit Microsoft-Entra-Authentifizierung erfordert "SQL Server enabled by Azure Arc". Rein isolierte On-Prem-Umgebungen können davon nicht ohne Weiteres profitieren.
  • Externe Modelle bedeuten Daten, Latenz und Kosten. Wer Embeddings oder Inferenz über einen externen Endpunkt (etwa Azure OpenAI) bezieht, muss Datenabfluss, Antwortzeiten und laufende Kosten einkalkulieren.
  • Reife eines frischen Releases. Trotz vorliegender kumulativer Updates ist 2025 noch eine junge Hauptversion. Kritische Systeme profitieren von einem Validierungszeitraum, bevor sie umgestellt werden.

Fazit

Für Teams, die KI- und Vektorszenarien nah an ihren Daten umsetzen wollen, oder die von nativem JSON, regulären Ausdrücken und den Engine-Verbesserungen profitieren, ist SQL Server 2025 ein lohnender Schritt nach vorn. Auch der Zugewinn bei Standard und Express macht den Wechsel für viele mittelständische Umgebungen attraktiv.

Zurückhaltung ist dort angebracht, wo auf eingestellten Komponenten wie DQS, MDS oder Synapse Link aufgebaut wird, wo Linked Servers, Replikation, Log Shipping oder PolyBase im Spiel sind, oder wo eine produktive Nutzung gerade der noch als Preview gekennzeichneten KI-Funktionen geplant ist. Hier gilt: erst testen, dann migrieren. Wer plant, sollte den Support-Horizont (Mainstream bis Januar 2031) und die noch junge Reife des Releases in die Entscheidung einbeziehen.

Haben Sie Fragen zur Migration, zur Edition-Wahl oder zur Einführung der Vektorsuche in Ihrer bestehenden Datenarchitektur? Schreiben Sie uns gerne unter info@yurtbay.dev.


Quellen (Microsoft)

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